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Reservezeit und kritischer Pfad

Die rote Farbe stellt die Frage, die Reservespalte beantwortet sie: An vier Vorgängen wird sichtbar, wo Puffer sitzt.

Ein Balkenplan färbt Vorgänge rot, und man weiß: Da darf nichts passieren. Was man damit noch nicht weiß, ist die Gegenfrage — wie viel darf denn anderswo passieren? Die Farbe kennt darauf keine Antwort; sie ist ein Ja oder Nein. Die Antwort steht in einer Spalte, und sie ist eine Zahl.

Beides zeigt sich am selben Plan, und dafür reichen vier Vorgänge. Es geht um eine Rechenweise, nicht um ein Branchenthema: An zweiundvierzig Vorgängen sieht man dieselbe Sache, aber man findet die Stelle nicht mehr.

Das eigens für die Aufnahme gebaute Kleinprojekt verbindet „Konzept erstellen“ über zwei parallele Zweige mit „Freigabe erteilen“. Einer dauert fünf Tage, der andere zwei. Der Vergleich zeigt nur die Terminlogik eines früh terminierten Netzes; Ressourcen, Fortschritt und reale Störungen bleiben bewusst außen vor.

Der kritische Weg ist eine Antwort auf „welche"
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Balkenplan des Kleinprojekts mit eingeschaltetem kritischem Weg: Drei der vier Vorgänge liegen rot auf dem kritischen Pfad, „Unterlagen zusammenstellen" bleibt blau.

Bild 1 von 2 — Vier Vorgänge, zwei Wege durch den Plan: Über „Entwurf prüfen" dauert es fünf Tage, über „Unterlagen zusammenstellen" nur zwei. Der längere Weg bestimmt den Endtermin, und genau ihn färbt Rillsoft Project rot. Der blaue Vorgang ist nicht unwichtig — er ist nur nicht knapp.

Die Spalte Vorgänger macht das Netz nachlesbar, statt es zu behaupten. In Zeile 3 steht „2, 4": Die Freigabe wartet auf beide Zweige. Beide beginnen bei „Konzept erstellen", beide enden bei der Freigabe — nur dauert der eine fünf Tage und der andere zwei. Diese Differenz ist der ganze Unterschied zwischen Rot und Blau.

Der kritische Weg beantwortet damit genau eine Frage: welche Vorgänge den Endtermin halten. Verschiebt sich einer von ihnen um einen Tag, verschiebt sich der Endtermin um einen Tag. Das ist eine harte Aussage — und eine unvollständige, denn sie sagt nichts über den blauen Balken.

Die Reserve ist eine Antwort auf „wie viel"
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Derselbe Plan mit den Reservespalten: Die Anfangsreserve steht überall auf 0, die Endreserve nennt allein bei „Unterlagen zusammenstellen" eine 3; die drei roten Vorgänge tragen dort 0.

Bild 2 von 2 — Dieselbe Ansicht, zwei Spalten mehr — und aus der Farbe wird eine Zahl. Die Anfangsreserve ist durchgehend 0, weil früh wie möglich terminiert wird. Die Aussage trägt die Endreserve: Sie steht bei den drei roten Vorgängen auf 0 und nennt allein beim blauen einen Wert — drei Tage.

Zwischen den beiden Bildern hat sich am Plan nichts geändert. Dieselben Termine, dieselben Balken, dieselbe Färbung; getauscht wurden nur die eingeblendeten Spalten. Was vorher eine Farbe war, ist jetzt eine Zahl: „Unterlagen zusammenstellen" endet am 13. Oktober und dürfte bis zum 16. Oktober laufen, ohne dass die Freigabe später käme.

Die beiden Spalten meinen dabei Verschiedenes:

  • Die Anfangsreserve sagt, wie weit ein Vorgang nach vorn könnte. Sie steht hier überall auf 0 — nicht weil kein Puffer da wäre, sondern weil früh terminiert wird: Jeder Vorgang liegt bereits an seinem frühestmöglichen Anfang und kann nicht weiter nach vorn.
  • Die Endreserve sagt, wie weit er nach hinten darf, ohne einen Nachfolger anzustoßen. Das ist die Zahl, an der man plant.

Wer die Aussage nachrechnen will: Die 3 ist keine Eigenschaft des Vorgangs, sondern seines Zweigs. „Unterlagen zusammenstellen" braucht zwei Tage, hat aber bis zum Beginn der Freigabe fünf Tage Platz — weil der Nachbarzweig länger dauert. Der Puffer ist die Differenz zwischen den beiden Wegen, nicht etwas, das dem Vorgang gehört.

Was das für die Planung heißt
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Rot und Null bedeuten dasselbe, aus zwei Richtungen gelesen: Ein Vorgang mit Endreserve 0 ist kritisch, ein kritischer Vorgang hat Endreserve 0. Die Farbe findet die Stelle schneller, die Zahl sagt, was man dort tun darf.

Praktisch heißt das dreierlei:

  • Verschieben fängt beim blauen Balken an. Wer Platz braucht, sucht ihn dort, wo eine Zahl größer null steht — nicht auf dem roten Weg.
  • Puffer ist verbrauchbar. Schiebt man den blauen Vorgang um drei Tage, steht danach dort auch 0, und aus vier kritischen Vorgängen wird ein Plan ohne jede Luft.
  • Anfangsreserve 0 ist kein Alarm. In einem früh terminierten Plan ist sie der Normalfall und sagt nur, dass nichts unnötig spät liegt.

Wie das an einem echten Bestand aussieht — neunzehn von zweiundvierzig Vorgängen rot, in einem Netz aus einundsiebzig Verknüpfungen — zeigt der kritische Weg am Beispiel Maschinenbau.

Was Rillsoft Project sonst noch aus dem Netz rechnet, steht auf der Produktseite zum Projektmanagement in der Rillsoft Cloud.

Häufige Fragen

Fragen zu kritischem Weg und Reserve

Was sagt der kritische Weg — und was sagt er nicht?

Er beantwortet genau eine Frage: welche Vorgänge den Endtermin halten. Verschiebt sich einer von ihnen um einen Tag, verschiebt sich der Endtermin um einen Tag. Er sagt nichts darüber, wie viel anderswo passieren darf — das ist die Gegenfrage, und dafür braucht es die Reservespalte.

Worin unterscheiden sich Anfangs- und Endreserve?

Die Anfangsreserve sagt, wie weit ein Vorgang nach vorn könnte; sie steht im Beispiel überall auf 0, weil früh terminiert wird und jeder Vorgang bereits an seinem frühestmöglichen Anfang liegt. Die Endreserve sagt, wie weit er nach hinten darf, ohne einen Nachfolger anzustoßen — das ist die Zahl, an der man plant.

Gehört die Reserve dem einzelnen Vorgang?

Nein, sie gehört seinem Zweig. „Unterlagen zusammenstellen" braucht zwei Tage, hat aber bis zum Beginn der Freigabe fünf Tage Platz, weil der Nachbarzweig länger dauert. Der Puffer ist die Differenz zwischen den beiden Wegen — schiebt man den Vorgang um drei Tage, steht danach auch dort 0.