Der kritische Weg sagt, welche Vorgänge den Endtermin halten. Er ist aber keine Eigenschaft einzelner Balken, sondern das Ergebnis des Netzes, in dem sie hängen — und ein Netz mit losen Enden liefert eine Antwort, die nur so lange stimmt, bis sich etwas ändert.
Die Montagelinie MX-200 führt 71 Verknüpfungen bei genau einem Startvorgang ohne Vorgänger und einem Endelement ohne Nachfolger. Daraus rechnet Rillsoft Project einen durchgehenden Pfad: 19 der 42 Vorgänge liegen darauf.
Ein Netz ohne lose Enden#

Das Bild — Rot sind die 19 der 42 Vorgänge, die auf dem kritischen Weg liegen: Jede Verzögerung an ihnen verschiebt den Endtermin. Möglich wird die Rechnung erst durch das lückenlose Netz — 71 Verknüpfungen, genau ein Vorgang ohne Vorgänger und ein Element ohne Nachfolger. Isolierte Balken erzeugen dagegen einen Plan, der auf jede Änderung falsch reagiert.
Der Unterschied zeigt sich erst bei der ersten Änderung. Hängt ein Vorgang an nichts, verschiebt ihn keine Rechnung mit — er bleibt liegen, wo er ist, und der Plan behauptet einen Termin, den niemand mehr hält. Im geschlossenen Netz wandert die Verzögerung durch die Kette bis zum Endelement, und man sieht sofort, was sie kostet.
Wo noch Luft ist#
Die Farbe beantwortet eine Frage — welche Vorgänge den Endtermin halten. Die Gegenfrage beantwortet sie nicht: wie viel Luft die anderen haben. Dafür blendet man in derselben Ansicht die Reservespalten ein, und aus der Markierung wird eine Zahl. Im Elektrik-Zweig dieses Plans steht dort etwas zu holen: „Hauptstromlauf und Verteilung planen" trägt sieben Tage Endreserve, „Sensorik und Aktorik projektieren" acht — während die 19 roten Vorgänge daneben durchgehend 0 tragen.
Diese sieben, acht Tage sind keine Fußnote, sondern Handlungsspielraum: Genau solche Vorgänge nimmt man, wenn ein Kapazitätskonflikt eine Verschiebung verlangt — sie können ausweichen, ohne dass der Endtermin es merkt. Der kritische Weg sagt, wo man nicht anfassen darf; die Endreserve sagt, wo man darf und wie weit.
Wichtig dabei: Die rote Färbung ist eine Markierung, keine Zahl. Wer wissen will, wie viel Spielraum ein Vorgang wirklich hat, liest die Reservespalte — nicht die Farbe. Was Anfangs- und Endreserve genau meinen und warum die eine in einem früh terminierten Plan überall auf 0 steht, ist an vier Vorgängen leichter zu sehen als an zweiundvierzig: Reservezeit und kritischer Pfad.
Was das für die Planung heißt#
Ein sauberes Netz kostet beim Aufbau Disziplin: jeder Vorgang beidseitig eingebunden, ein Anfang, ein Ende. Dafür beantwortet der Plan danach die einzige Frage, die im Projekt wirklich zählt — wenn dieser Vorgang zwei Tage später fertig wird, verschiebt sich dann der Endtermin oder nicht.
Wie Rillsoft Project Termine und Abhängigkeiten rechnet, steht auf der Produktseite zum Projektmanagement in der Rillsoft Cloud. Davor lohnt der Projektstrukturplan, der das Netz überhaupt erst aufspannt — oder zurück zur Übersicht Maschinenbau.